Ratgeber und Vergleich
Singlebörsen ab 60: wo Sie in der Schweiz wirklich jemanden finden
Ab 60 sucht man anders. Man hat seine Gewohnheiten, oft Enkel, manchmal einen verstorbenen Partner, und keine Lust mehr auf Spielchen. Diese drei Seiten passen dazu.
Von Markus Baumgartner
Kurz: meine Empfehlung nach Alter
| Ihr Alter | Meine Empfehlung | Warum | |
|---|---|---|---|
| 60 bis 64 | 50plus-Singlebörse | Viele Frauen und Männer zwischen 55 und 65, sehr passende Vorschläge | Ansehen |
| 65 und älter | 60plusTreff | Nur Menschen ab 60, geprüfte Profile, gemütliche Stimmung | Ansehen |
| auf dem Land | Zusammen.ch | Grösste Auswahl, auch in kleineren Kantonen, mit App | Ansehen |
Warum sich das Internet ab 60 lohnt
Viele in unserem Alter denken, Partnersuche im Internet sei etwas für Junge. Das habe ich auch gedacht. Aber wenn man ehrlich ist: wo soll man mit 65 sonst jemanden kennenlernen? Die Kollegen sind verheiratet, im Verein kennt man alle schon seit Jahren, und in eine Bar geht man nicht mehr. Auf einer Singlebörse sind dagegen lauter Leute, die genau das Gleiche suchen wie Sie.
Dazu kommt: man kann in Ruhe schauen, lesen und schreiben, wann man will. Am Morgen zum Kaffee, am Abend nach der Tagesschau. Niemand drängt, und man entscheidet selber, wem man antwortet.
60plusTreff: gemacht für unser Alter

Wenn Sie über 65 sind, fangen Sie hier an. Die Seite ist fröhlich, die Profile werden geprüft, und mit «Herzklopfen» bekommt man jeden Tag ein paar neue Gesichter zu sehen. Mein Nachbar Heinz (68) ist dort seit dem Herbst angemeldet und ganz begeistert. Zum Erfahrungsbericht
50plus-Singlebörse: wenn Sie sich jünger fühlen
Viele um die 60 wollen nicht auf eine «60plus»-Seite. Das verstehe ich gut, ich wollte das auch nicht. Auf der 50plus-Singlebörse sind die meisten zwischen 50 und 65, und der Persönlichkeitstest sorgt dafür, dass die Vorschläge trotzdem passen. Mein Bericht
Zusammen.ch: die grösste Auswahl
Wer im Emmental, im Toggenburg oder im Oberwallis wohnt, braucht vor allem eines: genug Leute. Zusammen.ch hat das grösste Netzwerk der drei und eine App, mit der auch das Schreiben unterwegs einfach geht. Mein Bericht
Meine Tipps für den Anfang
- Lassen Sie sich helfen. Enkel, Nachbarn, Kinder. Mir hat Sandra geholfen, Heinz hatte mich
- Schreiben Sie ehrlich, wie alt Sie sind. Wer sich jünger macht, fängt mit einer Lüge an
- Erstes Treffen immer an einem belebten Ort, am Tag, und jemandem Bescheid sagen
- Kein Geld verschicken, nie
- Geduld. Bei mir hat es sieben Wochen gedauert, bei Heinz etwas länger
Das Profil: was ab 60 gut ankommt
Ich habe mir mit Heinz viele Profile angeschaut, und die, die uns gefallen haben, hatten ein paar Dinge gemeinsam. Ein aktuelles Foto, auf dem man lacht. Ein Text, in dem etwas Konkretes steht: «Ich backe jeden Samstag Zopf und habe immer zu viel», «Ich war 40 Jahre Lokführer bei der SBB und kenne jede Kurve zwischen Zürich und Chur». Und ein Satz dazu, was man sich wünscht, ohne gleich eine Liste von Bedingungen aufzustellen.
Was nicht gut ankommt: Fotos von vor zwanzig Jahren, lange Texte über Krankheiten und alles, was nach Bewerbung klingt. Man darf ruhig schreiben, dass man verwitwet ist, aber das Profil sollte nicht nur davon handeln.
Liebesbetrug: die Warnzeichen
Ich schreibe das nicht, um Angst zu machen, sondern weil es leider oft passiert. Betrüger suchen gezielt nach älteren Menschen, die allein sind, und das Muster ist fast immer gleich. Wenn Sie eines dieser Zeichen sehen, seien Sie vorsichtig:
- Die Person will sehr schnell auf WhatsApp oder per E-Mail weiterschreiben
- Sie schreibt schon nach wenigen Tagen von grosser Liebe
- Sie ist angeblich Arzt, Ingenieur oder Soldat im Ausland
- Ein Video-Anruf geht nie, immer ist die Kamera kaputt oder das Internet schlecht
- Irgendwann kommt ein Notfall, und es braucht Geld
Auf den seriösen Seiten werden solche Profile gemeldet und entfernt. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie jemanden, dem Sie vertrauen. Die Polizei hat auf ihren Seiten zu diesem Thema gute Informationen, und man darf sich dort auch melden, wenn man nur einen Verdacht hat.
Und ausserhalb des Internets?
Natürlich gibt es auch andere Wege, und ich würde sie immer zusätzlich empfehlen. Pro Senectute bietet in vielen Kantonen Wanderungen, Tanznachmittage, Kurse und Mittagstische an. Viele Kirchgemeinden haben Seniorentreffs, und in grösseren Städten gibt es Tanzkurse für Paare und Singles. Dort lernt man Leute kennen, auch wenn nicht jeder auf der Suche ist.
Und wer mit dem Computer oder Tablet noch unsicher ist: bei Pro Senectute und bei Seniorweb gibt es Kurse und Hilfe für den Einstieg. Heinz hat dort einen Tablet-Kurs gemacht, bevor wir ihn angemeldet haben. Ohne den Kurs hätte er es, sagt er, nicht geschafft. Ich glaube, er hätte es schon geschafft, aber mit mehr Fluchen.
Fragen, die mir oft gestellt werden
Bin ich mit 70 nicht zu alt für eine Singlebörse?
Nein. Auf 60plusTreff habe ich Profile von Frauen und Männern bis weit über 70 gesehen, und die Erfolgsgeschichten auf der Seite sind oft von Paaren um die 70.
Was ist, wenn mich jemand um Geld bittet?
Nie Geld schicken, egal wie traurig die Geschichte klingt, und das Profil über die Meldefunktion melden. Die seriösen Seiten nehmen das sehr ernst. Wenn Sie schon Geld überwiesen haben, gehen Sie zur Polizei, auch wenn es Ihnen peinlich ist.
Braucht man ein Handy?
Nein. Ein Computer oder ein Tablet reicht völlig.
Was sage ich meinen Kindern?
Die Wahrheit. Meine Kinder haben sich gefreut, Heinz' Tochter auch. Und sie helfen gerne beim Foto.
Ist es nicht respektlos gegenüber meiner verstorbenen Frau?
Diese Frage hat mir Heinz gestellt. Ich kann sie nicht für Sie beantworten. Heinz sagt heute, seine Frau hätte gewollt, dass er nicht allein bleibt.