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Love-Scam erkennen: so schützen Sie sich ab 50

Meine allererste Erfahrung mit Online-Dating war ein Betrugsversuch. Auf einer Gratis-App, die Sandra mir installiert hatte, schrieb mir eine «Krankenschwester aus Genf». Nach zwei Nachrichten nannte sie mich «mein Lieber», nach der dritten brauchte sie Geld für ein Zugbillett, weil ihre Karte gesperrt sei. Ich habe nicht bezahlt. Aber ich verstehe seither, wie schnell man in so etwas hineinrutschen kann, wenn man einsam ist.

Was ist ein Love-Scam?

Love-Scam, auch Romance-Scam oder Liebesbetrug, ist eine Masche, bei der Betrüger eine Liebesbeziehung vortäuschen, um an Geld zu kommen. Sie schreiben oft wochenlang, sehr aufmerksam und sehr gefühlvoll. Irgendwann kommt ein Notfall: ein Spitalaufenthalt, ein gesperrtes Konto, Zollgebühren, ein Flugticket für das erste Treffen. Menschen über 50, besonders Verwitwete und Geschiedene, werden gezielt ausgesucht.

Wichtig: Wer darauf hereinfällt, ist nicht dumm. Die Betrüger sind Profis, oft ganze Gruppen, die mit Drehbüchern arbeiten. Darum hilft es, die Muster zu kennen.

Die Warnzeichen

WarnzeichenWas dahinter steckt
will sofort auf WhatsApp, Telegram oder E-Mail wechselnraus aus der Plattform, wo Profile geprüft und gemeldet werden
grosse Liebe nach wenigen TagenGefühle sollen das Misstrauen ausschalten
Arzt, Ingenieur, Soldat oder Geschäftsmann im AuslandErklärung, warum ein Treffen nicht geht
Video-Anruf geht niedie Person auf den Fotos gibt es so nicht
Fotos wie aus einem Katalogoft von fremden Profilen kopiert
Notfall, für den Geld gebraucht wirddas eigentliche Ziel
bittet um Geschenkkarten, Krypto oder Überweisungen ins AuslandGeld, das man nicht zurückholen kann

Ein einzelnes Zeichen heisst noch nichts. Wer viel reist, ist nicht automatisch ein Betrüger. Aber zwei oder drei zusammen, und spätestens die Bitte um Geld, sind ein klares Signal.

So prüfen Sie einen Kontakt

  1. Bitten Sie um ein Video-Gespräch über die Plattform. Seriöse Menschen machen das gerne.
  2. Machen Sie mit dem Foto eine Rückwärtssuche im Internet. Taucht das Bild unter einem anderen Namen auf, ist die Sache klar.
  3. Stellen Sie konkrete Fragen zum Wohnort. Wer angeblich in Bern wohnt, weiss, wo der Bärengraben ist.
  4. Reden Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen. Von aussen sieht man vieles klarer.

Was seriöse Singlebörsen dagegen tun

Auf den Seiten in meiner Rangliste werden Profile geprüft, auf jedem Profil gibt es eine Meldefunktion, und Nachrichten schreiben kann nur, wer seine E-Mail-Adresse bestätigt hat. Die 50plus-Singlebörse rät auf ihrer Sicherheitsseite, für das Profil ein Foto zu nehmen, das man sonst nirgends verwendet. Auf 60plusTreff werden Fotos und Profiltexte laut Anbieter von einem Team kontrolliert. Und die Video-Dates laufen über die Plattform, ohne dass jemand Ihre Nummer bekommt.

Bei Zusammen.ch hat mir einmal eine Frau geschrieben, die «gerade beruflich in Dubai» war und nach der zweiten Nachricht auf WhatsApp wollte. Ich habe sie gemeldet, am nächsten Tag war das Profil weg. Das funktioniert. Darum mein Rat: Bleiben Sie zum Schreiben auf der Plattform, bis Sie sich gesehen haben.

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Wie so ein Gespräch typischerweise verläuft

Eine Bekannte von Ruth, 63, hat mir erlaubt, ihr Erlebnis zu erzählen, ohne Namen. Sie wurde auf einer Gratis-Seite von einem Mann angeschrieben, der sich als Schweizer Ingenieur auf einer Baustelle in Katar vorstellte. Die ersten zwei Wochen waren wunderbar: lange Nachrichten am Morgen, Komplimente, Fragen nach ihren Enkeln, Fotos von Sonnenuntergängen. Er wollte sehr schnell auf WhatsApp wechseln, «weil das Internet auf der Baustelle schlecht ist».

In der dritten Woche kam der erste kleine Notfall: Sein Lohn sei wegen eines Bankproblems blockiert, er brauche 800 Franken für Medikamente. Sie hat gezögert und ihre Tochter gefragt. Die Tochter hat mit einer Bildersuche herausgefunden, dass die Fotos einem Zahnarzt in Kanada gehörten. Das Geld ist nie geflossen. Auf einer Seite mit Profilprüfung und Video-Date wäre es wahrscheinlich gar nicht so weit gekommen.

Das Muster ist fast immer gleich: zuerst viel Gefühl, dann der Wechsel weg von der Plattform, dann eine kleine Bitte, dann grössere. Wer das einmal gesehen hat, erkennt es wieder.

Wenn schon Geld geflossen ist

Dann zuerst: sich nicht schämen. Es passiert sehr vielen. Danach rasch handeln:

  • Sofort die Bank anrufen und versuchen, die Zahlung zu stoppen.
  • Keinen weiteren Franken überweisen, auch wenn neue Geschichten kommen, und auch nicht an angebliche Anwälte, die das Geld «zurückholen».
  • Alle Nachrichten, Fotos und Zahlungsbelege aufbewahren.
  • Bei der Polizei Anzeige erstatten. Auch nur bei einem Verdacht darf man sich melden.
  • Das Profil bei der Singlebörse melden, damit es niemand anderen trifft.

Informationen zu diesem Thema gibt es auf den Seiten der Polizei und der Schweizerischen Kriminalprävention. Heinz hat sich die wichtigsten Punkte ausgedruckt und an den Kühlschrank geheftet, neben den Zettel mit seinem Kündigungsdatum.

Kühlschrank mit Zetteln und Magneten
Der Kühlschrank von Heinz. Die Regeln hängen gleich neben dem Kündigungszettel.

Wenn Sie sich um Ihre Eltern sorgen

Viele Mails, die ich bekomme, sind von Kindern, die sich Sorgen um einen Vater oder eine Mutter machen. Mein Rat: nicht verbieten und nicht lächerlich machen, sondern interessiert sein. Fragen Sie, mit wem geschrieben wird, und bieten Sie an, beim ersten Video-Gespräch kurz in der Nähe zu sein. Wer sich ernst genommen fühlt, erzählt eher, wenn etwas komisch wird. Heinz' Tochter hat es so gemacht, und Heinz hat ihr jede neue Bekanntschaft gezeigt, auch die eine, die ihm selber nicht ganz geheuer war.

Meine vier Regeln, kurz

Nie Geld schicken. Auf der Plattform schreiben. Vor dem Treffen ein Video-Gespräch. Das erste Treffen am Tag an einem belebten Ort, und jemandem Bescheid sagen. Wer sich daran hält, ist schon sehr gut geschützt. Mehr zu den Seiten, auf denen ich mich sicher gefühlt habe, steht in meiner Rangliste, und Tipps für das Treffen selber unter Erstes Date ab 50. Wer ab 60 sucht, findet auf Singlebörsen ab 60 noch einiges mehr.

Fragen zum Thema

Gibt es auf seriösen Singlebörsen gar keine Betrüger?

Ganz ausschliessen kann das keine Seite. Durch Prüfung und Meldefunktion werden falsche Profile aber schnell entfernt.

Ist jemand verdächtig, nur weil er im Ausland arbeitet?

Nicht automatisch. Verdächtig wird es, wenn ein Treffen und ein Video-Gespräch nie möglich sind und irgendwann nach Geld gefragt wird.

Was mache ich, wenn ich mich schäme?

Reden Sie trotzdem mit jemandem. Mit den Kindern, einer Freundin, der Polizei. Schweigen hilft nur dem Betrüger.

 

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