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Profilfoto ab 50: der Nachmittag an der Eulach

Heinz hatte für sein Profil auf 60plusTreff genau drei Fotos zur Auswahl: eines von der Hochzeit seiner Nichte, auf dem eine Hand von links in sein Gesicht ragte, eines aus dem Passbüro und eines, auf dem er mit Sonnenbrille vor einem Reisecar steht. Wir sind dann an einem sonnigen Nachmittag an die Eulach gegangen. Das dritte Bild, das ich mit dem Handy gemacht habe, war gut. Hier ist, was wir dabei gelernt haben.

Heinz an der Eulach in Winterthur
Heinz an der Eulach. Hier habe ich sein Gesicht verwischt, im Profil lacht er natürlich ganz.

Warum das Foto so wichtig ist

Auf den Seiten mit Persönlichkeitstest zählt der Text mehr als bei einer Wisch-App, zum Glück. Aber das Foto entscheidet, ob jemand den Text überhaupt liest. Profile ohne Foto bekommen deutlich weniger Antworten, das hat Ruth bestätigt, die als Frau sehr viele Profile gesehen hat. «Ohne Foto schreibe ich nicht zurück. Ich will wissen, mit wem ich rede.»

Was ein gutes Foto ausmacht

  1. Tageslicht. Draussen, am besten am Vormittag oder am späteren Nachmittag, wenn die Sonne schräg steht. Kein Blitz, kein Badezimmerlicht.
  2. Das Gesicht gut sichtbar, ohne Sonnenbrille und ohne Hut, der die Augen verdeckt.
  3. Ein echtes Lächeln. Das bekommt man nicht auf Kommando, sondern wenn der Fotograf einen zum Lachen bringt. Bei Heinz hat es geklappt, als ich ihn an seinen Fehlschuss beim Feldschiessen erinnert habe.
  4. Aktuell. Nicht älter als ein, zwei Jahre. Wer beim ersten Treffen anders aussieht als auf dem Foto, fängt mit einer Enttäuschung an.
  5. Allein auf dem Bild. Keine Ex-Partner, die man abgeschnitten hat, und keine Enkel. Fotos von Kindern werden auf den seriösen Seiten ohnehin entfernt.

Wer fotografiert?

Jemand, dem man vertraut, und nicht man selber. Selfies aus der Armlänge verzerren das Gesicht, besonders die Nase, und das will in unserem Alter niemand. Bitten Sie ein Kind, ein Enkelkind, einen Nachbarn. Heinz hatte mich, ich hatte Sandra. Sie hat bei mir dreissig Bilder gemacht und dann gesagt: «Papi, du musst nicht so schauen, als würdest du einen Sicherungskasten prüfen.» Das einunddreissigste war gut.

Ein Handy reicht völlig. Ein Fotostudio ist nicht nötig und wirkt oft zu glatt. Ruth sagt, die professionellen Fotos hätten bei ihr eher Misstrauen geweckt.

Wo und was anziehen?

Ein Ort, der etwas über Sie erzählt, aber nicht ablenkt. Ein Weg am Fluss, ein Garten, ein Waldrand, ein Bänkli mit Aussicht. Die Kleidung so, wie Sie sich wohl fühlen und wie Sie zu einem ersten Treffen kommen würden. Ein Hemd oder eine Bluse in einer ruhigen Farbe wirkt besser als ein Muster, das flimmert.

Ein zweites und drittes Foto dürfen zeigen, was Sie gerne machen. Ich habe ein Bild auf dem Velo an der Töss hochgeladen. Vreni, Ruths Kollegin, eines auf dem Säntis. Auf Aktiv & Verliebt sind solche Bilder fast Pflicht.

Wie viele Fotos?

Drei bis fünf sind ideal. Das erste zeigt das Gesicht, gut ausgeleuchtet und mit Lächeln. Das zweite zeigt Sie ganz, zum Beispiel bei einem Spaziergang. Das dritte zeigt etwas, das Sie gerne machen: im Garten, auf dem Velo, beim Kochen. Mehr als fünf braucht es nicht, und zwanzig Ferienfotos wirken eher wie ein Diaabend. Ruth hatte vier Bilder, eines davon mit ihrem Velo an der Thur. Das war das Bild, auf das ich zuerst geschaut habe.

Diese Fotos lieber weglassen

  • Bilder im Auto, besonders mit Gurt
  • Gruppenfotos, auf denen man raten muss, wer gemeint ist
  • Fotos mit dem gefangenen Fisch oder dem erlegten Reh
  • Bilder von vor zehn Jahren
  • Fotos mit Glas in der Hand an einem Fest

Ein Sicherheitstipp, an den ich nie gedacht hätte

Auf der Sicherheitsseite der 50plus-Singlebörse steht der Rat, für das Profil ein Foto zu nehmen, das man sonst nirgends im Internet verwendet. Sonst kann jemand mit der Bildersuche Ihr Facebook-Profil, Ihren Arbeitgeber oder Ihre Adresse finden. Heinz hat für sein Profil also extra ein neues Bild gemacht, das nirgends anders auftaucht. Mehr zur Sicherheit unter Love-Scam erkennen.

So machen Sie das Foto in einer halben Stunde

  1. Einen Tag mit leichter Bewölkung oder Sonne am späteren Nachmittag wählen. Mittagssonne macht harte Schatten.
  2. Einen ruhigen Hintergrund suchen: Bäume, Wasser, eine Wiese. Keine Autos, keine Mülltonnen.
  3. Die Person, die fotografiert, steht etwa zwei Meter entfernt und hält das Handy auf Augenhöhe, nicht von unten.
  4. Zwanzig, dreissig Bilder machen. Reden, lachen, sich bewegen. Die besten Bilder entstehen zwischen den gestellten.
  5. Zu Hause zusammen die drei besten aussuchen, und dann jemanden fragen, der nicht dabei war.

Bei Heinz war das dritte Bild das beste, weil er gerade über meinen Witz gelacht hat. Beim Aussuchen hat seine Tochter am Telefon mitgeholfen. Sie hat das Bild gewählt, das Heinz am wenigsten mochte, «weil du darauf aussiehst wie du». Sie hatte recht.

Brille, Bart, graue Haare?

Alles erlaubt, solange es Ihrem Alltag entspricht. Wer im Alltag eine Brille trägt, trägt sie auch auf dem Foto, sonst erkennt Sie beim Treffen niemand. Graue Haare sind ab 50 völlig normal, und viele finden sie sympathischer als frisch gefärbte. Ruth sagt, sie habe Männern, die sich auf dem Foto zwanzig Jahre jünger gemacht haben, nie geantwortet. Ehrlichkeit wirkt, auch beim Bild.

Wer sieht mein Foto?

Auf den Seiten der be2-Gruppe sehen Gratis-Mitglieder die Fotos der anderen meist unscharf. Scharf sehen sie die Mitglieder mit Premium. Das gibt etwas Schutz, und wer will, kann ein Foto auch erst später freigeben. Wie das genau geht, steht bei den einzelnen Seiten, zum Beispiel in meinem Bericht über 60plusTreff.

Ein gutes Foto ist die halbe Miete, die andere Hälfte ist der Text. Beispiele dafür stehen unter Profiltext ab 50. Heinz' Foto von der Eulach hat übrigens die Frau aus Wil als erstes kommentiert: «Schöner Ort. Wo ist das?» So fangen gute Gespräche an.

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