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Witwe oder Witwer: wieder lieben dürfen

Heinz hat mich an einem Abend, als wir auf seinem Balkon sassen, etwas gefragt, das ich nicht vergessen habe: «Markus, ist das nicht ein Verrat an Elsbeth?» Elsbeth war seine Frau, 41 Jahre lang. Sie ist vor gut zwei Jahren gestorben. Ich wusste keine Antwort. Heute, nachdem er mit einer Frau aus Wil die Olma besucht hat, hat er selber eine gefunden.

Heinz am Abend auf seinem Balkon
Heinz auf seinem Balkon. An so einem Abend hat er mich nach Elsbeth gefragt.

Wann ist man bereit?

Dafür gibt es keine Regel, und niemand ausser Ihnen kann es entscheiden. Manche sind nach einem Jahr bereit, manche nach fünf, manche nie, und alles ist in Ordnung. Heinz hat gemerkt, dass er bereit ist, als er beim Einkaufen zweimal die Woche mit der Kassiererin geplaudert hat, nur um mit jemandem zu reden. «Da wusste ich, dass mir nicht Elsbeth fehlt, die fehlt mir immer. Sondern jemand.»

Ein paar Fragen, die Heinz geholfen haben:

  • Suche ich jemanden für mich, oder jemanden, der die Lücke füllt?
  • Kann ich von meiner Frau oder meinem Mann erzählen, ohne dass es das einzige Thema ist?
  • Freue ich mich auf ein Treffen, oder habe ich vor allem Angst vor dem Alleinsein?

Wenn die Trauer noch alles bestimmt, ist ein Gespräch mit einer Trauerbegleitung oft der bessere erste Schritt. Viele Kirchgemeinden und Pro Senectute bietet das an.

Ist es ein Verrat?

Heinz sagt heute: nein. Elsbeth hätte gewollt, dass er nicht allein bleibt. Sie hat ihm das sogar einmal gesagt, im Spital, und er hat damals abgewunken. Viele Witwen und Witwer, die ich über diese Seite kennengelernt habe, erzählen etwas Ähnliches. Eine neue Liebe ersetzt die alte nicht. Sie kommt dazu.

Die Frau aus Wil ist übrigens auch verwitwet. Beim ersten Treffen haben sie eine Stunde von ihren verstorbenen Partnern erzählt, und dann hat sie gesagt: «So, jetzt erzählen Sie mir etwas von Ihnen.» Heinz sagt, das sei der Moment gewesen.

Wie sage ich es den Kindern?

Früh und ehrlich. Heinz hat es seiner Tochter am Telefon gesagt, bevor er sich angemeldet hat. Sie hat geweint, und dann gesagt, sie habe gehofft, dass er das macht. Nicht alle Kinder reagieren so. Manche brauchen Zeit, weil sie selber noch trauern. Es hilft, ihnen zu sagen, dass niemand ersetzt wird, und sie vielleicht beim Profil um Hilfe zu bitten. Heinz' Tochter hat ihm am Ende das Profil gegengelesen und zwei Sätze über Elsbeth gestrichen, «weil die Frauen sonst denken, du suchst eine Kopie».

Was Freunde und Nachbarn sagen

Nicht nur die Kinder haben eine Meinung. Im Dorf, im Verein, in der Kirchgemeinde wird geredet, und das hat Heinz anfangs mehr beschäftigt als er zugeben wollte. Ein Kollege aus dem Turnverein hat gefragt, ob «das nicht ein bisschen früh» sei. Heinz hat geantwortet, er habe zwei Jahre allein gegessen, das sei lang genug. Danach war Ruhe. Mein Eindruck: Die meisten Menschen freuen sich, wenn jemand nach einem Verlust wieder lacht. Die wenigen, die es nicht tun, muss man nicht überzeugen.

Was gehört ins Profil?

Dass man verwitwet ist, darf und soll drinstehen. Das ist ehrlich und erklärt viel. Aber das Profil sollte nicht davon handeln. Heinz hat am Ende geschrieben, dass er seit zwei Jahren allein ist, und dann von seinem Garten, vom Seniorenturnen am Donnerstag und von der Reise ins Engadin, die er nochmals machen möchte. Darauf hat die Frau aus Wil geantwortet.

Ein Foto, das nicht in der Trauerzeit entstanden ist, und ein Text, der nach vorne schaut: das wirkt. Beispiele stehen unter Profiltext ab 50, eines davon ist für einen Witwer über 65 geschrieben.

Wo sucht man als Witwe oder Witwer?

Auf Seiten, wo viele in der gleichen Lage sind. Auf 60plusTreff war bei Heinz fast jede zweite Frau verwitwet, und niemand musste etwas erklären. Wer jünger ist, findet auf der 50plus-Singlebörse Menschen in einer ähnlichen Lebensphase. Beide arbeiten mit Persönlichkeitstest und Vorschlägen, die Profile werden geprüft, und man kann vor dem ersten Treffen per Video sprechen. Das gibt Sicherheit.

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Das eigene Tempo

Was Heinz am meisten geholfen hat: dass er sich keinen Druck gemacht hat. Er hat die ersten zwei Wochen nur geschaut, ohne zu schreiben. Dann hat er auf Flirtfragen geantwortet, weil das weniger verbindlich ist als eine Nachricht. Erst in der vierten Woche hat er Premium genommen und der Frau aus Wil geschrieben. Bis zum ersten Treffen hat es noch einmal fünf Wochen gedauert, mit drei Video-Gesprächen dazwischen.

Es gab auch Rückschläge. An Elsbeths Geburtstag hat er das Tablet nicht angerührt und sich gefragt, ob er nicht doch alles löschen soll. Am nächsten Tag hat er der Frau aus Wil geschrieben, dass es ihm nicht gut gehe und warum. Sie hat geantwortet, dass sie das kenne, und ihn gefragt, wie Elsbeth gewesen sei. Solche Momente gehören dazu, und unter Verwitweten versteht man sie.

Erinnerungen und Neues nebeneinander

Viele fragen sich, wie man mit Fotos, Ritualen und Jahrestagen umgeht, wenn jemand Neues ins Leben kommt. Heinz und die Frau aus Wil haben das früh besprochen: Beide gehen weiterhin an die Gräber, beide behalten ihre Bilder, und an den schweren Tagen ruft man sich an, statt sich zu treffen. Das hat für beide viel Druck weggenommen.

Eine Warnung, die zu diesem Thema gehört

Verwitwete werden von Betrügern gezielt angeschrieben, weil sie oft allein leben und manchmal Erspartes haben. Die Geschichten sind gefühlvoll und klingen echt. Wer nach Geld fragt, ist nie die grosse Liebe, egal wie traurig die Geschichte ist. Mehr dazu unter Love-Scam erkennen.

Heinz heute

Auf seinem Buffet steht noch immer das Hochzeitsfoto mit Elsbeth. Daneben steht seit ein paar Wochen ein Bild von der Olma, Heinz und die Frau aus Wil vor einem Säulirennen, beide lachend. Ich habe ihn gefragt, ob das nicht komisch sei, die beiden Bilder nebeneinander. «Nein», hat er gesagt. «Das ist einfach mein Leben.»

Wer ab 60 oder später sucht, findet weitere Gedanken bei Singlebörsen ab 60 und Partnersuche ab 70.

 

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